7 Tage Madeira & Kanaren: Meine Kreuzfahrt-Erfahrung auf einem „6000er“

Während meines diesjährigen Weihnachtsurlaubs war ich wieder einmal Passagierin auf einem Kreuzfahrtschiff – genauer gesagt auf der AIDAnova, einem Clubschiff, welches im Dezember 2018 erstmals auslief und über 6000 Passagiere befördern kann. Obwohl ich in meinem Leben bereits weit gereist bin, brachten diese sieben Tage ganz besondere Erfahrungen und auch interessante Erkenntnisse. Natürlich begegnen einem im Vorhinein bei den Recherchen und bei der Planung einer derartigen Reise viele Vorurteile, von denen ich mich schlussendlich jedoch nicht abschrecken ließ. Nachdem ich am Ende meiner Reise von Bord ging, war ich froh darüber, viele dieser Mythen widerlegen und meinen Aufenthalt auf See als unterhaltsamen und abwechslungsreichen Urlaub verbuchen zu können.

# Warum eine Kreuzfahrt?

Generell fiel mir bei meinen Recherchen zu den Möglichkeiten einer Kreuzfahrt auf, dass diese Art des Reisens eher auf Unverständnis bei jenen Personen stößt, die selbst noch nie an Bord eines Kreuzfahrtschiffes waren. Der größte Vorteil einer Kreuzfahrt liegt in der Abwechslung und Flexibilität. In kürzester Zeit hat man die Möglichkeit, viel Sehenswertes zu entdecken, mehrere Reiseziele bequem miteinander zu verbinden und ein Gespür für den jeweiligen Ort und seine Menschen zu bekommen. Egal ob Alleinreisende, Paare oder Familien – für die vielfältigen Bedürfnisse der Passagiere stehen immer ausreichend Optionen, von Unterhaltungs- und Sportangeboten, Landgängen bis hin zu organisierten Exkursionen, für eine optimale Freizeitgestaltung zur Verfügung. Monotonie und Langeweile an Bord? Fehlanzeige.

Außerdem ist eine Kreuzfahrtreise wirklich top organisiert – von der Abholung am Flughafen bis zum Betreten des Schiffes verlief alles tadellos. Die Passagiere wurden gut geordnet durch ein Kontrollzelt an Bord geleitet. Mehr Zeit war stets an der Rezeption erforderlich, da das Personal zwar sehr freundlich, jedoch teilweise noch unerfahren ist.

# Man is(s)t nie allein

Für mich als diesmal Alleinreisende war es eine tolle Erfahrung, dass man auf einer Kreuzfahrt zwar allein sein kann, es jedoch nie sein muss. Auf einem Schiff gibt es genügend Orte, um für sich selbst zu sein, bei einem guten Buch auszuspannen, im Fitness-Center zu trainieren oder an Deck zu sonnen. Die große Anzahl an Passagieren verteilt sich auf dem Schiff erstaunlich gut, sodass man gar nicht bemerkt, dass noch 6.000 weitere Menschen mit an Bord sind. Natürlich gibt es bestimmte Hotspots, die man eher meiden sollte, wenn man die „Menschenansammlung“ scheut, doch gibt es solche Spots bekanntlich nicht nur auf Kreuzfahrtreisen. Demgegenüber ergeben sich die großartigen Möglichkeiten viele unterschiedliche Leute kennenzulernen, durch Zufall auf bekannte Gesichter zu stoßen und nette Abende mit interessanten Gesprächen zu führen. „Vielfalt leben“ wird also in jeder Hinsicht großgeschrieben.

# Kulinarische Rundreise

Ob Buffet, Spezialitätenrestaurant oder á la Carte – die Auswahl an Bord ist riesig und die kulinarische Vielfalt verleitet zum Schlemmen und Snacken. Meine Devise lautete deshalb: genießen mit Maß und Ziel. Für mich war es nach all den Köstlichkeiten erleichternd zu wissen, dass ich bei einem Schiff mit 18 Decks sehr viele Kilometer zurücklegte. Zu beachten ist jedoch, dass nicht wirklich ALLES „All-inklusive“ ist. Diesbezüglich kann man sich im Voraus ausführlich erkundigen und erhält auch die Informationen per E-Mail zugesandt. Die Preise an Bord sind jedenfalls moderat und der Besuch eines Á-la-Carte-Restaurants oder den einen oder anderen Sundowner sollte man sich wirklich gönnen. Meinem Erachten nach ist vieles eine Sache der persönlichen Einstellung und natürlich der gründlichen Planung vorab.

# 100 Prozent

Das Entertainment-Programm auf der AIDAnova war für mich ein bisschen wie eine Reminiszenz an meine früheren Cluburlaube mit Club Med oder Robinson Club. Im Theatrium, einem dreistöckigen gläsernen Theater, gab ein ausgezeichneter Tobey Wilson mit formidabler Stimme Lieder von Frank Sinatra zum Besten oder musizierte eine Nashville-Band. Selbst im Brauhaus wurde ausgelassen gefeiert, etwas ruhiger ging es indes beim Rockaoke zu.

# Kleine Mankos

Das Servicepersonal ist sehr freundlich, tüchtig und bemüht. Jedoch scheint es in manchen Bereichen überfordert zu sein. Dies liegt insbesondere daran, dass manche Stationen unterbesetzt sind, wodurch es beispielsweise in manchen Restaurants häufig zu längeren Wartezeiten kommt. Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um ein Problem des Managements, welches sich für die professionelle und korrekte Einschulung verantwortlich zeichnet.

Zudem gab es auch immer wieder kleine technische Schwierigkeiten. Beispielsweise kam es bei der bargeldlosen Bezahlung mit der Bordkarte häufig zu Problemen mit der separaten Bezahlung am Tisch, da das System noch sehr fehlerhaft ist.

# Großes Manko

Ziemlich missglückt ist meines Erachtens die Seenotrettungsübung, der sich jeder Neuankömmling am Schiff noch am selben Tag unterziehen muss. Die Passagiere sollten sich mitsamt übergezogener Rettungsweste und zum vorgesehenen Zeitpunkt an ihrer Sektion einfinden. Das war für viele eine erste Herausforderung: Anstatt sich pünktlich und mit seiner Rettungsweste – im Idealfall korrekt – angezogen bei der Sammelstelle einzufinden, schlenderten etliche Passagiere im Minutentakt und die Weste lässig im Arm tragend heran. Die Crewmitglieder klärten die Passagiere daraufhin weder über das richtige Anlegen der Rettungsweste auf, noch gab es eine Einschulung, wie man im Notfall zu den Rettungsbooten gelangte oder diese funktionieren – die Crew würde die Passagiere während einer Notsituation dorthin führen, hieß es. Nach dieser Rettungsübung war mir klar: In echte Seenot sollte dieses Schiff besser nicht geraten.

Fazit: Eine Kreuzfahrt an sich ist durchaus unterhaltsam, aber was wäre eine Schiffsreise, ohne vor Anker zu gehen und den Fuß auf den Boden fremder Länder zu setzen? Im nächsten Beitrag berichte ich über meine ersten Ausflüge auf dieser Reise.

 

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