Segelwoche Griechenland – Inseln im Dodekanes

Prachtvolles Wetter, gute Winde, ein cooles Boot, lauschige Buchten, pittoreske Häfen und nette Segelfreunde sind bei jedem Törn wünschenswert. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen. Nach der großartigen Segelwoche in der Irish Sea im Juli gab es im September die nächste Möglichkeit – und wieder wurde es ein prima Segelurlaub. Diesmal ging es auf einen Katamaran, eine Fountaine Pajot 45 Elba, mit sehr geräumigen Kabinen und reichlich Platz im Innen- wie Außenbereich.

Insel des Hippokrates

Wir starteten in Kos, dem touristischen Hotspot der Insel. Spannend für mich, da ich die Insel bei diversen Club-Urlauben kennengelernt habe, aber schon länger nicht vor Ort war. Die Stadt Kos selbst mit rund 19.000 Einwohnern besticht durch seine römischen und griechischen Wahrzeichen und weist mit seinen historischen Stätten, den winkeligen Gassen, kleinen Lokalen, der altertümlichen Agora, der mittelalterlichen Burg und der berühmten Platane des Hippokrates, dem bekanntesten Arzt des Altertums, eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten auf. Grandios ist auch der Blick von der Hafenstrasse auf die gegenüberliegende, türkische Küste.

Vom Flughafen zur Marina Kos durchquert man fast die gesamte Insel, wo uns unser Boot Night Breeze erwartete. Ich gebe zu, die Anzahl der von mir besuchten Marinas ist überschaubar, diese versprüht aber einen Charme, den manch andere vermissen lässt. Chice Boote, Geschäfte, ein Hotel, ansprechende Restaurants und der erste Umtrunk mit griechischem Weißwein stimmten auf eine schöne Segelwoche ein.

Segel setzen

Wir verließen die Marina Kos und nahmen Kurs auf Nisyros. Eine annähernd runde, rein vulkanische Insel, deren Zentrum von einer Caldera dominiert wird. Aufgrund der vielen Sehenswürdigkeiten wird sie von Touristenbooten regelrecht gestürmt. Wir ließen die Insel im wahrsten Sinne links liegen und segelten vorbei zur Bucht von Gyali. Ebenfalls eine Insel vulkanischen Ursprungs liegt hier der Schwerpunkt im Bimsabbau. Die Einwohnerzahl ist mit 21 Bewohnern überschaubar und für uns war eindeutig Schwimmen, Schnorcheln und Relaxen vorrangig.

Westlichste Insel des Dodekanes

Der Tag in der Bucht versprach verheißungsvoll zu werden. Nach dem morgendlichen Schwimmen und einem ausgiebigen Frühstück verließen wir Gyali und schlugen die Richtung der westlichsten Insel des Dodekanes, Astypalea, ein. Die weißen Häuser der „Alten Stadt“ und mehrere Windmühlen auf einem Bergkamm sind ein spektakuläres Fotomotiv. Auf einem der höchsten Hügel der Insel thront die gut erhaltene venezianische Burg mit einer der schönsten Kirchen des Dodekanes.

Amorgos

Das Wetter blieb prachtvoll. Allerdings wurde der Wind stärker und so änderten wir den geplanten Kurs nach Naxos und steuerten Amorgos an, was mich besonders gefreut hat, war ich doch durch die Recherche der Reiseroute ins ansässige Felsenkloster vernarrt. Die Einfahrt in den Hafen Katapola war beeindruckend, die Szenerie überwältigend. Kleine Häuser mit Geschäften und zahlreichen Lokalen säumten den pittoresken Hafen. Man verließ das Boot und war schon mitten im Geschehen des putzigen Ortes. Der Tag endete bei einem Abendessen mit köstlichen Vorspeisen und Fischgerichten.

Amorgos ist ein längerer Ausflug wert. Rasch war ein Auto organisiert und wir erklommen flugs auf schmalen Straßen die Bergkette der Insel. Eine großartige Sicht auf Steilhänge, kleine Inselgruppen, tiefblaues Meer tat sich vor uns auf. „Mein“ Felsenkloster war aber das Highlight. Erbaut im neunten Jahrhundert von palästinischen Mönchen und nach einer Zerstörung im elften Jahrhundert neuerlich errichtet, klebt das Kloster 300 Meter an der Felswand über dem Meer. Etliche Stufen bis zum Klostereingang und ein enger Aufstieg im Inneren des noch bewohnten Klosters waren zu bewältigen. Zufrieden mit dem wenn auch kurzen Einblick in eine fremde, abgeschiedene Welt, folgten ein Strandbesuch und eine lauschige Gaststätte mit typischen Gerichten der griechischen Küche.

Nachtfahrt

Eigentlich dachte ich, dass es nicht spannender werden kann. Doch weit gefehlt. Aufgrund des weiten Rückweges nach Kos und des zu erwartenden Windes aus dem Norden starteten wir am frühen Abend den Motor und lösten die Leinen. So einfach sich die ersten Meter gestalteten, gerieten wir plötzlich in Schwierigkeiten, da die Elektrik für die Bergung des Ankers ausfiel, dieser sich auf dem Grund verhakte und von unserem Skipper mit großer Anstrengung händisch aus dem Wasser gezogen werden musste. Die Ankerkette wurde schlussendlich mit einem Seil fixiert, der Anker war aber nicht mehr einsetzbar. Das geruhsame Inselleben wurde durch unser Manöver unterbrochen, die Zuschaueranzahl vermehrte sich von Minute zu Minute, bald war unser Katamaran aber wieder fahrtüchtig und wir starteten unsere Nachtfahrt mit Kurs auf Kalymnos.

Skipper und Co-Skipper teilten sich die Stunden auf und da ich bei Beginn der Nachtwache noch putzmunter war, überlegte ich nicht lange und wollte selbst testen, wie mir eine Nachtfahrt bei bis zu 40 bis 50 km/h Wind auf dem ägäischen Meer gefallen wird. Die zahlreichen Tanker in der Umgebung, die unseren Weg kreuzten oder vorbeifuhren verkürzten die Stunden enorm und es wurde sogar 5.00 Uhr früh, bis mir die Kälte die Lust am Verbleib des Steuerstandes vermieste.

Kalymnos

Unsere nächste und als letzte besuchte Insel war das gebirgige Kalymnos. Anstatt uns in der 12.000 Einwohner Stadt Pothia zu vergnügen, steuerten wir morgens um 7.00 Uhr die Bucht von Emporios an. Eine überwältigende Szenerie tat sich vor uns auf. Die Bucht wird von Gebirgszügen umgeben. Man fühlt sich nach Norwegen versetzt, wenn nicht dieser entzückende, kleine Hafen wäre, der unmissverständlich wiedergibt, dass man doch in Griechenland ist. Wir befanden uns auch in prominenter Gesellschaft, da aufgrund der Größe und der Optik (aus Aluminium) unübersehbar eine Megayacht mit einem Hubschrauber an Deck vor Anker lag.

Der Wind wurde stärker, trieb die Wellen vor sich her und verhinderte das obligatorische Schwimmen. Die Umgebung war aber derart großartig, dass wir Relaxen und Plaudern genossen. Der Abend endete mit dem Abholservice der Taverne Kostas, wo wir im selbigen Lokal sehr schmackhafte Vorspeisen und Muscheln verspeisten.

Rückfahrt nach Kos

Leider segelten wir am nächsten Tag nach Kos zurück. Der Wind blieb vom Norden her stark, der Melthemi bewies, was er mit Böen mit bis zu 35 Knoten vermag. Einige Male wurden die Segel gerefft und wir kamen mit über acht Knoten schnell voran. Sehr lang fuhren wir parallel zur Küstenlinie von Kos, bevor wir die Marina ansteuern konnten, wo sich die Boote anstellen mussten, um zum Ankerplatz gelotst zu werden. Die Woche ging mit dem Captain’s Dinner zu Ende.

Schön war‘s. Wirklich großartig. Danke an Skipper Stephan Dorfmeister für die prima organisierte, ausgewogen gestaltete und segeltechnisch bestens geführte Segelwoche in Griechenland!

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