Prag – Die Goldene Stadt

Ein Wochenende in einer anderen Stadt zu verbringen, ist Luxus und Vergnügen pur. Vergangenes Wochenende ging es in die Hauptstadt Tschechiens – nach Prag. Mit 1,2 Millionen Einwohnern präsentierte sich Prag pulsierend und von Touristenströmen wahrlich überflutet. Doch unabhängig vom enormen Andrang präsentierte sich die Altstadt in einem baulichen Top-Zustand und auch das Wetter spielte diesmal mit: Bei Temperaturen bis zu 30 Grad absolvierte ich fast alles zu Fuß und legte in drei Tagen knapp 50.000 Schritte zurück.

Die Anreise von Wien nach Prag mit dem RegioJet war sehr bequem. Vor den Fenstern zog eine Landschaft mit weitläufigen Wiesen, riesigen Rapsfeldern und vereinzelten Bauernhöfen vorbei. Die Bahnstationen wirkten nicht minder verschlafen und der Horizont mit der aufgehenden Sonne lag in weiter Ferne. Eine Szenerie wie aus einem alten Film. Übrigens: Der Kaffee und die Verpflegung, die in der Business Klasse serviert werden, sind ausgesprochen gut.

Nach der Anreise und dem Check-In im Hotel ging es zum Lunch in das Grosseto Marina an der Moldau (sehr nett gelegen). Schon auf dem Weg dahin war ich überrascht, wie gut die Mehrheit der historischen Bauten und deren Originalstil erhalten sind. Die Renovierungen sind sicherlich aufwendig gewesen, denn von (früh)gotischen und barocken Kirchen und Häuserzeilen gibt es erfreulicherweise genügend zu entdecken. Lediglich auf den Fassaden manch alter Türme haftet noch die Schwärze der Mittelalterzeit. Es macht einen Spaziergang durch die Altstadt aber umso romantischer.

Stadt der hundert Türme

Nach der Besichtigung des Gemeindehauses folgte der Altstädter Ring, die Teynkirche mit den zwei spitzen Türmen und der Prager Pulverturm. Letzterer zählt mit seinen 65 Meter Höhe zu jenen 13 Befestigungstürmen und Toren, die im 15. Jahrhundert die Prager Altstadt geschützt haben. Das Prager Stadtbild ist allerdings von sehr viel mehr als nur einem Dutzend Türme geprägt, weshalb es auch die „Stadt der hundert Türme“ genannt wird. Großartig sind auch die barocken Bauten wie das Haus zum Goldenen Brunnen an der Ecke Seminarska. Bei der Tour fiel mir auf, wie sauber die Stadt ist, nämlich sowohl in der Neustadt wie auch in der angrenzenden Altstadt.

Die Altstadt und die Kleinseite (Mala Strana) werden von mehreren Brücken verbunden. Die schönste und wichtigste ist die Karlsbrücke. Schon bei bisherigen Prag-Besuchen musste ich die Karlsbrücke mit vielen anderen Touristen teilen, diesmal war aber jeder Zentimeter hart erkämpft – hat Prag doch mittlerweile gleich nach Paris die höchste Touristendichte im Vergleich europäischer Hauptstädte. Die rund 500 Meter lange und gut 650 Jahre alte Brücke ist und bleibt das Highlight jeglichen Aufenthaltes und dementsprechend bevölkert. Die vielen Statuen, Heiligen und fantastischen Wesen auf den Brüstungen zu beider Seiten begutachtete ich im Nachhinein in meinem Reiseführer. Romantisch in einer kleinen Barkasse oder auf einem großen Schiff sind die Schifffahrten auf der Moldau möglich.

Nach der Karlsbrücke geht es steil bergauf zur mittelalterlichen Prager Burg, die in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts errichtet wurde. Mit rund sieben Hektar Fläche ist es das größte geschlossene Burgareal der Welt. Beeindruckend waren auch die im Inneren der Anlage befindliche St. Georgs-Basilika und der Veitsdom, welcher wertvolle Reliquien aus der Vergangenheit beherbergt. Sehr bekannt und schon länger nur mit Eintrittsticket zugänglich ist das Goldene Gässchen oder auch Alchimistengasse genannt. Sie führt an der Innenmauer der Burg entlang und beherbergt niedrige und enge Häuser, in denen früher Alchemisten angeblich künstliches Gold produzierten. Heute befinden sich Ausstellungsräume, Souvenirläden oder Cafés darin. Von der Anhöhe des Burggeländes aus hat man nicht zuletzt eine schöne Aussicht auf die Moldau und die Prager Innenstadt.

Atmosphärisch ein ganz anderes Prag entpuppte sich in der Umgebung der Na Prikope (dt. Am Graben) und dem Wenzelsplatz, von dem man einen großartigen Blick zum Nationalmuseum hat. Auch das Jüdische Viertel ist ein Besuch wert und auf dem Weg dorthin erstrecken sich die teuersten Markengeschäfte. Tatsächlich gilt die ans Jüdische Viertel angrenzende Pariser Straße als eine der luxuriösesten Einkaufsstraßen der Stadt und erinnert an Mailand oder eben Paris.

Kulinarischer Ausklang

Abends fiel die Wahl einmal auf das Restaurant Hergetova Cihelna auf der Kleinseite. Aufgrund der warmen Temperaturen konnte man im Freien essen (und das Ende April) und am Ufer der Moldau die Aussicht auf die beleuchtete Karlsbrücke genießen. Ein anderes Mal führte es mich ins U Tri Pstrosu (Zu den Drei Straußen) des gleichnamigen Hotels mit ausgezeichneter böhmischer Küche.
Während des umfangreichen Besichtigungsprogrammes fand sich auch Zeit einen Blick in das Café Imperial mit den originalgetreu renovierten Jugendstil-Elementen zu werfen, in das Café Savoy einzukehren oder im versteckten Innenhof des U Zlateho jelena einen Cappuccino zu trinken.
Wer hingegen eine Bar bevorzugt, findet in Prag genügend Möglichkeiten: Cocktails Bars und vor allem Bierverkostungen gibt es genügend.

Alles in allem war die Reise überaus stimmig. Das Hotel war toll, die tschechische Küche bietet gute Qualität, das Bier ist günstig, aber der Wein ist leider teuer. Einzig, die Sache mit der Bezahlung ist kompliziert: Obwohl gleich von Beginn an erwähnt, scheint der Service getrennter Rechnungen noch nicht in der ehemaligen Hauptstadt Böhmens angekommen zu sein. Was in Wien selbstverständlich ist, endet in Prag in langer Warterei und noch langwierigeren Diskussionen. Eine Kleinigkeit, über die man hinweg sehen kann, bei all dem Charme, den Prag ansonsten mit sich bringt.

 

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