Der Weissensee – überirdisch schön

Natur pur. Ein sattes Grün, kristallklares Wasser und eine Landschaft, die berührt – so begrüßt der Weissensee seine Besucher. Leider liegt er von Wien aus „nicht gerade um die Ecke“ und man kommt nach der 4,5 Stunden Autofahrt etwas ermüdet an und hat streckenweise das Gefühl, in Kanada zu sein. Aber ein Besuch lohnt sich sogar für ein verlängertes Wochenende, denn kaum erhascht man den ersten Blick auf den viertgrößten Badesee Kärntens im Südwesten Kärntens (ca. 11,6 km lang, bis zu 960 m breit und bis zu 99 m tief) ist man gebannt.

Der See mitsamt seiner alpinen Umgebung ist ein überirdisch schönes Fleckchen. Das glasklare Wasser, das tiefsatte Grün der Almwiesen und die hochragenden Bergspitzen der Gailtaler Alpen lassen den Alltag schnell vergessen. Das Seeufer ist aufgrund von Naturschutz nur zu einem Drittel verbaut, wodurch ein weitläufiger Blick auf das spiegelglatte Smaragdgrün des Wassers gegeben ist. Neben Radfahrern und Wanderern auf den Uferwegen ist es populär den See mit einem Ruderboot zu durchkämmen. Überhaupt scheint am Weissensee die Zeit still zu stehen.

Es empfiehlt sich so oft wie möglich einen Spaziergang über die Brücke, die die Ortschaft Techendorf an ihrem Nord- und Südufer verbindet, zu tätigen. Die Brücke eignet sich als idealer Aussichtspunkt für einen Rundum-Blick auf die Umgebung und die wenigen Hotels wie etwa Das Leonhard, Regitnig sowie das Haus am See. Letzteres verschönert seinen Gästen den Aufenthalt mit guter, regionaler Küche, gepflegten Gastgarten bis hin zu holzvertäfelten Zimmern mit Seeblick.

Ein Aufenthalt am Weissensee sollte auch mit einer Schiffrundfahrt verbunden werden. Besonders spannend ist es mit dem Elektro-Hybrid-Schiff, welches das erste umweltfreundliche Fahrgastschiff Österreichs ist, lautlos übers Wasser zu gleiten. Sanfte Mobilität und naturnahe Landwirtschaft wird im Naturpark Weissensee wirklich groß geschrieben. Vom Schiff aus ließ sich auch die hohe Wasserqualität bestaunen. Kein Wunder, dass der kristallklare See für Fische (und Taucher) aller Art ein Paradies ist (und manch ein Fisch landet auch schon mal in der Pfanne der umliegenden Gasthäuser und Hotels). Im Winter ist der Tourismus am Weissensee nicht weniger vielfältig. Der Naturpark wird zum Schigebiet. Der See, mit einer bis zu 40 cm dicken Eisschicht, dient als Natureisfläche für Eisläufer und zum Eisstockschießen.

Im Sommer und in einer Seehöhe von rund 930 Metern kann der Weissensee bis zu 25 Grad Celsius erreichen. Mitte Juni ist die Wassertemperatur noch etwas frisch. Falls Baden nicht tagesfüllend ist, lohnt sich eine Wanderung von Techendorf zum Ronacherfels. Falls der Weg dorthin zu weit erscheint, steigt man in Neusach aufs Schiff und fährt entspannt nach Techendorf retour. Die Schiffsanlegestelle Neusach ist eine echte Besonderheit. Nicht leicht zu finden führt ein sehr langer Holzsteg zur Anlege-Plattform, auf der sich ein einziges Holz-Bankerl befindet. Dort zu sitzen und völlig entspannt auf das „Wasser-Taxi“ zu warten – Ambiente pur!

Der Naturpark Weissensee – pures Grün, glasklares Wasser, frische Luft und beseelte Stille. Hier ist die Natur noch intakt, die Menschen überaus freundlich. Ich komme gerne wieder, wenn bloß die Anreise nicht so lang wäre.

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